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«Kein Neonazi-Dorf» |
| Gremsdorf: Ärger über «rechte» Konzerte wächst |
| «Kein Neonazi-Dorf» |
«Wir wollen bewusst einen Kontrapunkt setzen und zeigen, dass Gremsdorf keine Neonazi-Gemeinde ist», sagt Bürgermeister Waldemar Kleetz. Am Sonntag, 1. Juli, wird im Forum der Barmherzigen Brüder eine Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus abgehalten.
GREMSDORF - Über 300 Menschen mit Behinderungen, die damals als «lebensunwert» stigmatisiert wurden, wurden in den 1940er Jahren deportiert und von den Schergen Hitlers ermordet. «Daran wollen wir erinnern», sagt Kleetz - im Wissen darum, dass sein Dorf vielen Menschen nur aus dem Verfassungsschutzbericht bekannt ist.
Denn seit Jahren schon trifft sich die rechtsradikale Szene immer wieder im Gasthof Göb. Neben NPD-Versammlungen sind es vor allem Konzerte mit faschistischen Bands, die regelmäßig Hunderte von Fans aus dem einschlägigen Lager anlocken.
Am 9. Juni ist das nächste Treffen geplant, «wenn alles klappt», so Wirt Thomas Göb. Der Gastronom hat erkennbar keinerlei Probleme mit seiner «braunen» Kundschaft. «Das läuft alles über einen Veranstalter, ich habe damit wenig zu tun», sagt er.
Von der Polizei werden die Treffen im Wirtshaus zwar stets kritisch beäugt, zu Gesetzesverstößen - weder in Richtung Volksverhetzung noch wegen Alkoholmissbrauchs - war es aber bisher nie gekommen. Oft werden die Konzerte als «geschlossene Veranstaltungen» deklariert - dann ist nicht einmal ein behördliche Genehmigung erforderlich.
Weder beim Landratsamt noch bei der Verwaltungsgemeinschaft Höchstadt oder den Polizeidienststellen war der Auftritt der neonazistischen Black-Metal-Musikgruppen Absurd (aus Deutschland), «Blessed in Sin», «Finis Gloria Dei» (beide Frankreich) und «Funeral Winds» (Niederlande) bislang bekannt.
Laut antifaschistischen Internetforen sind alle Bands eindeutig der rechtsradikalen Szene zuzuordnen. Als Beispiel für die menschenverachtende Denkweise wird auf der Homepage indymedia.org der Frontmann von «Funeral Winds», Maurits Jansen, zitiert: «Es ist an der Zeit, alle Immigranten zusammen mit der Regierung aus den Niederlanden zu werfen. Öffnet Auschwitz wieder und gebt ihnen allen einen Freifahrtschein zur Hölle.»
Unwille wächst
Kein Wunder, dass Bürgermeister Kleetz «alles andere als begeistert» ist, wenn Gremsdorf immer wieder mit diesen Umtrieben in Verbindung gebracht wird. «Der Unwille in der Gemeinde wird größer, viele gehen nicht mehr in das Wirtshaus», teilt er seine Beobachtungen mit. Der Gemeinderat zumindest kehrt nach seinen Sitzungen dort schon länger nicht mehr ein.
Auch im Kreistag waren die rechten Gastspiele heuer schon ein Thema, das die Grünen/Bündnis 90 auf die Tagesordnung gebracht hatten. Für die Fraktion formulierte Manfred Bachmayer den Vorwurf: «Dort will man mit den Rechten Geld verdienen.» Auf eine klare Linie für den Umgang mit den Neonazis konnte man sich im Gremium nicht verständigen. Die Bandbreite reichte von «ignorieren» bis hin zum Boykottaufruf. Die Bürger könnten den Veranstaltungsort ja meiden, hatte Jörg Bubel (SPD) angeregt.
«Natürlich sind die Auftritte der Bands nicht illegal, so lange sie nicht verboten sind, doch moralisch muss ich das Ganze verurteilen. Aber Herr Göb denkt wohl, das sei das große Geschäft», sagt Gremsdorfs Bürgermeister Kleetz. Bei seiner Ansprache am 1. Juli will er nicht nur an die Verbrechen vor über 60 Jahren erinnern, sondern auch «deutliche Worte» für diejenigen finden, die bis heute nichts aus der Geschichte gelernt haben.
Holger Peter |
| 22.5.2007 |
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NORDBAYERISCHE NACHRICHTEN, HERZOGENAURACH, HÖCHSTADT |
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