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Starke Solidarität mit Schaeffler |
| Rund 9000 gingen auf die Straße - «Staatshilfen für Sonderfall« |
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Selten, wenn überhaupt je, hat Herzogenaurach eine mit rund 9000 Teilnehmern so eindrucksvolle Demonstration gesehen. Um sich für den Erhalt der Schaeffler Firmengruppe stark zu machen, um die Wichtigkeit des bayernweit drittgrößten Arbeitgebers – nach Siemens und BMW – für Franken und den Standort Deutschland zu unterstreichen, zog sich am Mittwochnachmittag nach dem Ruf des «INA-Ochs« ein Zug mit rund 7500 INA-Mitarbeitern ab den beiden Werkstoren mit Bürgern und Initiativen über Polizeikreisel bis Türmersturm, wo Initiatoren aus der INA-Belegschaft, Politiker und IG-Metall-Vertreter für Bürgschaften durch den Bund und die Sicherung der Arbeitsplätze plädierten.
HERZOGENAURACH - Als Konzern-Eignerin Maria-Elisabeth Schaeffler aus dem INA-Haupttor kam und mit Tränen in den Augen einen ihrer langjährigen Mitarbeiter umarmte, brandeten Ovationen der Schaefflerianer auf. Die Konzernchefin, ihr Sohn Georg und einige Mitglieder der Geschäftsleitung gingen die Demonstration bis zum Türmersturm mit, ans Rednerpult traten andere.
Fast die komplette INA-Belegschaft - die zweite und dritte Schicht fielen aus -, ganze Familien, denen die Schaeffler-Werke in ihrem über 60-jährigen Bestehen Arbeit gaben, nahmen am Zug teil, viele INA-Rentner, engagierte Bürger und Vereine, Haupt-, Realschüler und Gymnasiasten, Zulieferfirmen oder Mitarbeiter der Lebenshilfe. Sie hielten Fahnen und Transparente, zeigten ein «Doppelfoto« Angela Merkel mit Maria-Elisabeth Schaeffler, trugen den beschworenen Staatsschirm in INA-Grün, riefen und pfiffen.
Zugespitzt
Doch der Grundton der Stimmung war ernst, so ernst, wie es um INA-Schaeffler noch nie bestellt war. Erst am Morgen hatte die «Financial Times Deutschland« gemeldet, dass mit Finanzchef Thomas Hetmann über seinen Aufhebungsvertrag verhandelt werde, ein Beleg für eine überaus zugespitze Lage des Konzerns, der seit der Continental-Übernahme mit 22 Milliarden Euro verschuldet ist und nun einen monatlichen Schuldendienst von 70 Millionen Euro bewältigen muss.
Die Conti-Übernahme ins rechte Licht zu rücken – selbst von einem Zaungast der Demonstration noch ungerührt kommentiert: «Warum stehen die hier? Weil eine Dame sich verzockt hat!« – mühten sich schon bisher Firmenangehörige, Politiker und Gewerkschafter.
So auch bei der Kundgebung. Betriebsrat Thomas Mölkner führte aus, auf einen Investor setze man wenig Hoffnung, zumal die Gefahr der Zerschlagung des Konzerns bestehe. Dies gelte auch bei einem Einstieg der Banken, die bereits im Konzern agieren. Die beste Alternative sei eine Kreditbürgschaft des Staates. Gefordert werde im Gegenzug Beschäftigungssicherung, die Übernahme aller Azubis (großer Applaus) und mehr Transparenz. Die Übernahme von Continental, einem zweieinhalbmal so großem Brocken, habe Risiken geborgen, aber auch Chancen.
«Welche Bedeutung Schaeffler hat, erklärt sich von selbst, wenn man sieht, was hier stattfindet«, rief Bürgermeister German Hacker und beschwor die Wertschätzung gegenüber der Unternehmerfamilie Schaeffler, die «im Kern gesunde Firmengruppe und den strategisch richtigen Schritt der Conti-Übernahme: Die Firma Schaeffler ist ein Sonderfall!«
Landrat Eberhard Irlinger forderte kategorisch: «Gebt der Firma Staatshilfen zur Überbrückung! Wir erwarten richtige Zeichen von der Kanzlerin, dem Wirtschaftsminister und dem Ministerpräsidenten«. Schließlich seien auch 20000 Logistiker und kleinere Zulieferer von INA abhängig.
Sein Appell: «Wir müssen lauter werden, weil niemand begreifen kann, dass die Hypo Real Estate mit 102 Milliarden Euro unterstüzt wird und bei Schaeffler wegen fünf bis sechs Milliarden so lange gezögert wird.« Auch mit Altkanzler Gerhard Schröder werde ein Termin vereinbart.
Das «Pelzmantel-Motiv« griff die ehemalige Familienministerin Renate Schmidt in Herzogenaurach und auch in Höchstadt auf: «Es geht nicht um den Pelzmantel von Frau Schaeffler, sondern um den Wintermantel für die Beschäftigten.« 220000 Arbeitsplätze weltweit stünden auf dem Spiel.
Auch CSU-Bundestagsabgeordneter Stefan Müller kritisierte «diejenigen, die es noch immer nicht begriffen haben«. Der INA-Ingenieur Paul Seren, mit Michael Huß einer der Belegschafts-Initiatoren «Wir sind Schaeffler« stellte in Aussicht: «Schaeffler und Conti können das Auto von morgen gestalten.« Juniorenvertreterin Barbara Heller übergab 11271 Unterschriften aus der ganzen Welt an Bürgermeister Hacker.
Wolfgang Niclas, IG Metall-Bevollmächtigter verlangte schließlich «eine Unterstützung der Realswirtschaft, nicht nur der Spekulantenbanken«.
Edith Kern-Miereisz |
| 19.2.2009 |
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NORDBAYERISCHE NACHRICHTEN, HERZOGENAURACH, HÖCHSTADT |
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